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AUS DER MEDIZINGESCHICHTE – Die lange Geschichte der Multiplen Sklerose (MS)

Multiple Sklerose hat eine lange Geschichte. Der genaue Zeitpunkt ihres ersten Auftretens ist unbekannt, bis zum Mittelalter gab es keine adäquaten medizinischen Beschreibungen dieser Krankheit. Als frühester Fall, der sich – allerdings unbewiesen – als MS interpretieren lässt, gilt die Leidensgeschichte der Heiligen Lidwina. Im Alter von 15 Jahren stürzte sie am 2. Februar 1395 beim Eislaufen und zog sich mehrere Rippenbrüche zu, die nur schlecht verheilten. In den folgenden 37 Jahren zeigten sich – mit schubförmigen Verschlechterungen und Besserungen – Symptome, die einer Erkrankung des Zentralen Nervensystems zugeschrieben werden können. Lidwina litt an Lähmungen beider Beine, des rechten Arms und des Gesichts. Sie erblindete auf einem Auge, hatte Sensibilitätsstörungen und Schluckprobleme. Die niederländische Nonne glaubte, Gott habe ihr die Krankheit auferlegt, damit sie stellvertretend für die Sünden ihrer Mitmenschen leide. In ihren Visionen besuchte sie Himmel und Hölle. Bald entstand um ein Kult um Lidwina von Schiedam: Zahlreiche kranke Menschen pilgerten auf der Suche nach Heilung zu ihr.

Zeitplan

13. und 14. JH.: Erste Beschreibungen von MS

1824: Entdeckung des Nervensystems

1822: Augustus Frederick d’Este (1794–1848) mit erster genaueren Beschreibung der eigenen Erkrankung ab 28. Lebensjahr

1835: Jean Cruveilhier (1791-1873) beschreibt sonderbare Befunde am Rückenmark

1838: Robert Carswell (1793-1857) beschreibt die verhärteten Rückenmarksherde als Flecken oder Inseln

1840: William MacKenzie (1791–1886) mit einer der ersten medizinischen Beschreibung des klinischen Bildes der MS

1849: Friedrich Theodor von Frerichs (1819-1885) erstmalige Diagnose Stellung bei einem lebenden Patienten

1868: Jean Martin Charcot (1825-1893) Beschreibung des typischen Krankheitsbildes und des Verlaufs der MS

1877: Der Neurologe Julius Althaus (1833–1900) schlug vor, die Krankheit nach Jean-Martin Charcot zu benennen

1891: Heinrich Irenaeus Quincke (1834-1924) mit Einführung der Lumbalpunktion

1972: Computertomografie (CT) mit Darstellung größerer Läsionen und Differenzierung zu anderen Erkrankungen

1972: Evozierte Potentiale zur Messung der Sehnerven

1981: Magnetresonanztomografie (MRT) mit Feststellung der Läsionen und Verlauf

1996: Beta-Interferon – Zulassung zur Langzeitbehandlung Behandlung der schubförmig verlaufenden MS

1996: Glatirameracetat – Zulassung zur Langzeittherapie der schubförmig verlaufenden MS

2017: Ocrelizumab – Zulassung in den USA auch zur Behandlung der primär progredienten Form der MS (In Deutschland im Härtefallprogramm möglich)

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