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Fatigue bei MS: neue Chance

Fatigue ist ein Syndrom, das nicht nur bei der Multiplen Sklerose zu finden ist. Erschöpfung ist ein weitverbreiteter und störender Faktor. Mehr als die Hälfte der MS-Patienten leidet darunter – manchmal kurzzeitig, manchmal dauerhaft.
Der 
Erschöpfungszustand kann bereits vor einer Tätigkeit, während einer schweren Arbeit oder sogar nach kurzer und routinemäßiger Arbeitsbelastung erlebt werden. Fatigue geht mit einer massiven Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität einher. Insbesondere bei MS-Betroffenen kann dieser Erschöpfungszustand in Verbindung mit minimalen kognitiven Funktionsstörungen und reaktiv depressiven Symptomen die Krankheitsgefühle verstärken und letztlich zu Resignation führen.
Fatigue stellt für MS-Patienten nicht nur eine deutliche Belastung dar: Leider konnte sie bislang auch nur unzureichend behandelt werden. Eine neue Methode wurde jetzt von Neurologen auf ihre Wirksamkeit untersucht. Die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) des linken dorsolateralen Präfrontalkortex zeigte in einer Doppelblindstudie – verglichen mit einer Scheinstimulation – eine signifikante Verringerung der Fatigue bei MS-Patienten. Erzielt werden sollte eine situationsangemessene Handlungssteuerung sowie die Regulation von emotionalen Prozessen. Die entsprechenden Hirnareale wurden dabei über die Schädeldecke im Schläfenbereich elektrisch stimuliert. Auf der Fatigue-Severity-Scala (FSS) gingen die Werte von 5,1 auf 3,3 und auf der Modifed-Fatigue-Impact-Sacale (MFIS) von 43,6 auf 22,4 zurück (Neuro Depesche 7-8/ 2017). Nebenwirkungen traten vereinzelt als Schläfenkopfschmerzen oder Schlafstörungen auf. Die Erstbefunde ermutigen auf jeden Fall zu einer größeren Studie.

Fatigue Severity Scale“ – Der Messwert für Erschöpfung
Um den Grad der Erschöpfung festzustellen, werden die folgenden Aussagen auf der Skala von 1 (kaum wahrgenommen) bis 7 (sehr stark) bewertet, am Ende wird der Mittelwert ermittelt.

  • Ich habe weniger Motivation.
  • Wenn ich erschöpft bin führt körperliche Betätigung zu mehr Erschöpfung.
  • Ich bin schnell erschöpft.
  • Die Erschöpfung beeinflusst meine körperliche Belastbarkeit.
  • Die Erschöpfung verursacht Probleme für mich.
  • Meine Erschöpfung behindert körperliche Betätigung.
  • Die Erschöpfung behindert mich an der Ausführung bestimmter Aufgaben und Pflichten.
  • Die Erschöpfung gehört zu den drei mich am meisten behindernden Beschwerden.
  • Die Erschöpfung hat Einfluss auf meine Arbeit, meine Familie bzw. mein soziales Leben.

 

Mit Meditation und Medikamenten
Therapie eines eventuellen Grundleidens (MS, Anämie, Apnoe Syndrom, Fibromyalgie oder Depression)
Psychotherapie zur Verhaltensoptimierung und Anpassung an die Erkrankung, unterstützt durch Führen eines Tagebuchs. Motto sollte sein: Nicht dagegen ankämpfen, sondern mit der Erkrankung leben lernen.

  • Techniken der Entspannung wie autogenes Training, Meditation, Yoga oder Pilates.
  • Eigeninitiative ergreifen, um das für sich Guttuende zu finden und anzuwenden.
  • Bewegungstherapie und dosierte Sportaktivitäten. Wer rastet, der rostet!
  • Selbstempathie und Erkennen der eigenen Grenzen und vorhandener Ressourcen.

 

Medikamentöse Therapie: Wenn Patienten Mangelzustände entwickeln, insbesondere an Vitamin D und Eisen, oft auch an Vitamin B1, B6, B12, Zink oder Aminosäuren, sollte der Mangel ausgeglichen werden. Bei anderen Ergänzungsmitteln oder Magnesium wurde keine Wirksamkeit nachgewiesen. Von Therapieversuchen mit Amantadin wird berichtet. Fampridin kann zwar die Gehfähigkeit bei MS-Patienten etwas verbessern, hat aber nur eine fragliche Wirksamkeit auf die Erschöpfung (keine Zulassung diesbezüglich). Modafanil ist zugelassen für die Behandlung der Schlafkrankheit. Es scheint – ohne eine konkrete Zulassung im Einzelfall – bei Fatigue zu wirken.

Viele Ursachen
Fatigue kann viele Ursachen haben. Das Syndrom zeigt sich als Begleiterscheinung bei verschiedenen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Rheuma, Parkinson und Krebsleiden. Sekundär tritt Fatigue auf als Folge von Erkrankungen wie Apnoe-und Restless Legs Syndrom, Blutarmut, Mangelernährung, Depression; Fibromyalgie oder Schilddrüsenerkrankungen. Ebenso zeigt sie sich als Begleiterscheinung im Rahmen von Behandlungen wie Interferontherapie oder bei Therapie mit sedierenden Medikamenten. Als eigenständige Erkrankung mit autoimmunologischen Prozessen kann das chronische Fatigue-Syndrom nach einem Infekt auftreten und über 6 Monate anhalten.

Weitere Tests zur Fatigue Diagnostik bei MS:
MS-Fatigue-Skala (MS-FS)
Würzburger Erschöpfungsinventar bei MS (WEIMuS)

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