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Mini-Implantat blockiert Schmerzattacke

Er beginnt oft mitten in der Nacht und reißt die Betroffenen aus dem Schlaf: Clusterkopfschmerz, eine der stärksten Formen von Kopfschmerzen. Er wütet immer einseitig, meist rund um das Auge. Die Attacken können bis zu mehreren Stunden andauern. Ein Mini-Implantat bietet Betroffenen jetzt Hoffnung auf eine schnelle und dauerhafte Linderung:
Die SPG-Stimulationstherapie durchbricht mittels elektronischer Impulse den Schmerzzyklus und kann außerdem die Häufigkeit der Attacken senken.
Über die Ursachen von Clusterkopfschmerz, an dem in Deutschland circa 100.000 Menschen leiden, ist bisher wenig bekannt. Dafür sind die Symptome eindeutig: einseitig bohrender Schmerz, häufig begleitet von Tränenfluss, Gesichtsrötung, Schwitzen und starker körperlicher Unruhe.
Männer sind stärker betroffen als Frauen, und in der Regel treten die Attacken erstmals zwischen dem
20. und 40. Lebensjahr auf. Die Aussicht auf spontane Heilung ist sehr gering.

Die SPG-Stimulationstherapie auf einen Blick

  • Das circa mandelgroße Implantat wird über einen kleinen Schnitt im Zahnfleisch in der betroffenen Gesichtshälfte eingesetzt.
  • Der minimalinvasive Eingriff erfolgt unter Narkose und hinterlässt keine sichtbaren Narben.
  • Im Anschluss können Patienten mittels der Fernbedienung individuell und je nach Schmerzintensität die elektrischen Impulse steuern.
  • Die Krankenkasse übernimmt die Behandlungskosten.

Langer Weg zur richtigen Diagnose

Mit der Erkrankung geht meist viel Lebensqualität verloren, denn die privaten und beruflichen Einschränkungen sind oft erheblich. Aufgrund des geringen Bekanntheitsgrades der Erkrankung dauert die richtige Diagnose oft Jahre. Zwischenzeitlich ziehen sich viele Betroffene extrem zurück – nicht selten kommen Selbstmordgedanken hinzu. „Dabei ist es so wichtig, dass wir diesen Menschen rasch helfen und sie auch kontinuierlich behandeln“, sagt der Kopfschmerzexperte Safi Hazzan aus Düsseldorf. Dafür stehen den Therapeuten verschiedene Arzneien zur Auswahl: Schmerzmittel (z. B. Triptane) als Spritzen oder Nasenspray sowie reiner Sauerstoff wirken oft schmerzlindernd bei einer akuten Attacke. Andere Medikamente wie Verapamil oder Lithium werden vorsorglich eingesetzt. Diese Behandlungsoptionen zeigen jedoch nicht immer die gewünschte Wirkung und sind obendrein häufig mit Nebenwirkungen verbunden.

Elektronischer Impuls setzt Schmerzzentrum lahm

Die SPG-Stimulationstherapie wurde speziell zur Behandlung schwerer Clusterkopfschmerzen entwickelt und steht den Therapeuten in Deutschland seit Anfang 2013 als neue Methode zur Verfügung. Das System besteht aus zwei Teilen: einem Mini-Implantat und einer externen Fernbedienung. In einem ungefähr einstündigen Eingriff wird das circa mandelgroße Implantat von einem Chirurgen in die Wange eingesetzt. Im Anschluss kann der Patient mit der Fernbedienung die Therapie selbst steuern. Sobald eine Clusterattacke auftritt, hält er die Fernbedienung an die Wange und aktiviert das Implantat. Dann wird mittels elektronischer Signale ein Nervenbündel namens Ganglion sphenopalatinum (SPG) blockiert, das eine zentrale Rolle bei der Entstehung des Clusterkopfschmerzes spielt. „Der Eingriff ist harmlos, so dass die Patienten meist am nächsten Tag das Krankenhaus verlassen können“, erklärt Hazzan, der bereits gute Erfahrungen mit der SPG-Stimulationstherapie gemacht hat. Das Verfahren hilft nachweislich zwei von drei Patienten und zwar nicht nur durch eine akute Schmerzlinderung, sondern auch durch eine Abnahme der Attackenhäufigkeit. Damit kann die Anzahl der Medikamente oft deutlich reduziert und die gesamte Lebensqualität der Betroffenen verbessert werden.

Mehr zum Thema Kopfschmerzen:

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Interview mit Dr. Börner: Chronischer Schmerz

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