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Spielsucht macht den Partner krank

Im Februar dieses Jahres,  stellte sich bei mir eine kontaktfreudige aber etwas besorgt wirkende 44 jährige Patientin vor. Tage zuvor hatte sie sich notfallmäßig ambulant im Krankenhaus untersuchen lassen, da sie  sich um ihr Körperwohlbefinden ernsthaft Sorgen machte. Wegen Kopfschmerzen und Schwindel ,im Rahmen eines grippalen Infektes , war die radiologische Untersuchung (Schädel-Computertomografie) eingeleitet worden , zeigte aber unklare Auffälligkeiten. Eine kleine umschriebene Gliose wurde vom Radiologen im CCT beschrieben. Gliose ist eine lokalisierbare Gewebsschädigung nach einem Trauma oder einer Erkrankung mit Glia-Zell-Ansammlung (Nervenzellen). Die Erkältung wurde zunehmend besser. Bis zu zwei Wochen danach hatte sie noch Hörschwierigkeiten.

Aktuell leidet sie an Schwindelgefühlen und Kopfschmerzen.

Die neurologische Untersuchung zeigte keine Auffälligkeiten. Verspannungen der Halswirbelsäulenmuskulatur mit Druckschmerzen über den Dornfortsätzen des vierten bis sechsten Halswirbelkörpers sind tastbar und können zum Teil die Nackenkopfschmerzen erklären.

Psychisch gab sie Verstimmungszustände, Antriebsmangel, vermehrtes Grübeln und Schlafstörungen an. Die Verspannungen der Muskeln lassen sich dadurch erklären.

Bei der Befragung zur sozialen Situation gab die Betroffene an, dass sie aktuell alleinerziehend ist. Der zweite Ehemann leidet an einer genetischen Erkrankung und sitzt gerade, in der alten Heimat , eine Strafe im Gefängnis ab. Seine Rückkehr nach Deutschland ist in den nächsten Tagen zu erwarten. Sie musste sich aus erster Ehe scheiden lassen, da die Schwiegermutter sie als andersgläubige immer schon abgelehnt habe. Durch Beziehungsaufbau zur Betroffenen stellte sich bald heraus, dass der Ehemann an einer zusätzlich chronischen Erkrankung leidet. Ob die Krankheiten ihres Ehemannes ihr Leben negativ beeinflussen konnten, hat sie mehr oder weniger verneint. Was sie aber  massiv bedrücken würde,  ist die Sucht des Ehemannes.Er ist spielsüchtig!

Die Folgen sind finanzielle Schwierigkeiten und ihr Mann musste eine Haftstrafe verbüßen. Seine  bevorstehende Rückkehr ist einerseits erfreulich, aber andererseits belastend. Wie soll sie ihr Leben weiter gestalten? Wie soll sie sich entscheiden, wenn der Ehemann weiterhin bei der bekannten Abhängigkeit , sein Geld in Spielautomaten verliert und somit die Familie finanziell und sozial ruiniert? Wie kann sie all diese Probleme ertragen oder lösen?

Das sind Fragen, die jeden von uns belasten würden. Es ist nachvollziehbar, wie die Körperbeschwerden sich entwickeln können. Langjährige Belastungen mit einem Spielsüchtigen, der zusätzlich polymorbid und wenig einsichtig ist, belasten den Partner sehr und stören sein psychisches Gleichgewicht. Ja, wortwörtlich Gleichgewicht, so dass der Schwindel zum Ausdruck der „Nichtfestigkeit“  und der seelischen Schwankungen wird. Das Grübeln und die dadurch bedingten Schlafstörungen verursachen Müdigkeit, Anspannung, Unruhe und Verspannungen. Diese seelisch und körperlich an- und verspannte Lage wird manifest. Unser Körper spricht. Der Körper drückt das aus, was wir fühlen. Er zeigt uns die Schwächen, die wir erleiden.

Wie können wir eine Stabilisierung unseres Befindens herbeiführen oder begünstigen? Das Zauberwort ist die Introspektion mit der Selbstreflexion. Ich muss das Erleben was ich fühle, damit ich weiß wie mein Zustand ist. Wenn ich weiß, wie ich mich fühle und hinterfrage, was meine Gefühle dermaßen beeinflusst,  kann ich mich auf das konzentrieren, was mich beschäftigt. Erst dann kann es mir gelingen mir die Probleme vor Augen zu führen, um kreative Lösungsansätze zu entwickeln. Ich soll auf meinen Körper hören. Er sagt mir, was er fühlt und er teilt mir vieles über mein Empfinden, meine Emotionen  und meinen Affekt mit.

Der Gegenspieler der Selbstreflexion ist die Verdrängung, indem ich das „Kind nicht beim Namen nenne“. Ich schaue nicht in mich hinein, sondern blende das Problem aus, assimiliere die Störfelder und entfliehe der Realität. Diese Realität, die keiner so gut kennt wie ich. Wenn ich zu Introspektion und Reflexion nicht gewillt oder fähig bin, werde ich diese Emotionen eher somatisieren, so dass mein Körper in Rebellion treten wird. Es kommt zur Körpersprache. Diese Sprache unserer Empfindungen, die wir bereits als Säuglinge zum Ausdruck bringen können.

Reflektiere selbst und verdränge nichts!

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